Bessere Chancen durch kompetente Beratung in verlässlichen Strukturen

Lebenslanges Lernen klingt für nicht wenige Menschen bedrohend, nicht als Chance für die eigene private und berufliche Entwicklung. In Deutschland sind die verschiedenen Beratungsangebote mit unterschiedlichen Assoziationen verknüpft: Ehe – oder Schuldenberatung zeigen schon in ihrem Titel, dass es da um Probleme gehen muss. Und wer hat schon gern Probleme und wer möchte auch noch, dass ihm dies bestätigt wird, in dem er zu einer Beratungsstelle geht.

Bildungsberatung will begleiten

Bildungsberatung hingegen hat sich von Anfang als Angebot verstanden, Begleitung denjenigen anzubieten, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht die Unterstützung der Familie etc. erhalten, um ihre Fähigkeiten im derzeitigen Schulsystem voll entfalten zu können. Bildungsberatung vertritt seit den siebziger Jahren den subjektorientierten Ansatz, der dialogorientiert den Menschen zu einem stärkeren Selbstbewusstsein begleiten soll. Bildungsberatung versteht sich oft als niedrigschwelliges Angebot z.B. in Form von Bildungsbüros (Essen), Bildungslokal (München) Lernladen (Berlin) oder Regionales Bildungsbüro (Freiburg). Zentral ist der Bildungsberatung das Vertrauen zu den jungen und älteren Menschen aufzubauen und die Menschen zu ermutigen, ihre eigenen Fähigkeiten wahrzunehmen und darauf aufbauend den eigenen beruflichen Lebensweg zu entwickeln. Für Karen Schober, Vorsitzende des Nationalen Forums Beratung in Bildung, Beruf & Beschäftigung in Deutschland (nfb) ist mit der Notwendigkeit des „lebenslangen“ Lernens die Bildungsberatung für alle Bürger angesagt. Mit der EU-Rats-Resolution zur lebensbegleitenden Beratung ist dies auch offiziell europaweit fest gelegt. Doch der Beratungsbegriff ist für viele Menschen diffus, da es mittlerweile in vielen Branchen „Berater“ gibt, die nicht den einzelnen Menschen, das Subjekt im Blick haben, sondern den Verkauf ihrer Produkte.

Bildungsberatung soll kostenfrei sein

Von der kommerziellen Beratung grenzt sich die Bildungsberatung klar ab: Die Gewerkschaften fordern die kostenfreie Bildungsberatung als Anspruch jedes einzelnen Bürgers. Bildungsberatung formuliert einen kritischen Bildungsbegriff, Bildung bedeutet Sachkompetenz gepaart mit Kritik und Urteilsvermögen. Bildung zielt auf das zugleich schwierige und gefährdete Kunststück individueller Selbstkonstitution. Kurzum Bildung heißt also, den gesellschaftlichen Widerspruch von eingeforderter Selbständigkeit und aufgeherrschtem Zwang aufzunehmen, so Professorin Christine Zeuner von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.

Der österreichische Bildungsberater Peter Schlögl beschreibt Bildungsberatung mit einem Zitat von Friedrich Dürrenmatt (vom Sinn der Dichtung 1958): „Die Chance liegt allein noch beim Einzelnen. Der Einzelne hat die Welt zu bestehen, Vom Von ihm aus ist alles wieder zu gewinnen., Nur von ihm, das ist seine grausame Einschränkung.“

Vielleicht ist diese Aussage zugespitzt. Subjektorientierte Beratung versucht den Einzelnen zu begleiten, zu stärken und die Entwicklung zur Mündigkeit zu fördern. Die Herausforderung sich als Mensch zu entwickeln, kann keinem Menschen abgenommen werden. Konsens ist bei den Bildungsberatern, dass Strukturen der Bildungsberatung öffentlich finanziert, kommunal, nachhaltig, trägerunabhängig und flächendeckend aufgebaut werden müssen, damit jeder Bürger die Chance hat, niedrigschwellig Bildungsberatung in Anspruch nehmen kann.

Die Vernetzungsstruktur z.B. der Bildungsberatung in Salzburg zeigt für Regina Barth aus Salzburg, dass diese Arbeit wirklich den Menschen zu Weiterentwicklung ihrer Bildung verhilft. Bildungsberatung wird in Zukunft noch wichtiger, die Weiterentwicklung professioneller Standards der Bildungsarbeit muss noch besser vermittelt werden und die Anforderungen an Beratungsarbeit steigen.

Weitere Informationen

Informationen über die bisherigen Entwicklungen der Bildungsberatung und der Akteure bei:

http://www.forum-beratung.de